Ein Bub, acht Jahre alt, war mit seiner Klasse auf einem Volksschulausflug bei mir. Er war an den Pferden interessiert, aber sehr schüchtern und ängstlich und gar nicht sicher, ob er sich aufs Pferd trauen soll.
Ich habe ihm angeboten, es einfach einmal zu versuchen: sich nur auf das stehende Pferd zu setzen. Absteigen kann er jederzeit wieder, wenn es ihm doch nicht gefällt. Er hat sich getraut, hat sich aber sehr verkrampft am Haltegurt festgehalten. Dann war er doch einverstanden, dass wir ein paar Schritte gehen.
Ich bin ganz vorsichtig mit dem Pony losgegangen und habe ihm gesagt: „Da im Weingarten sitzt ein Fasan! Die Sonne scheint so schön auf den Vogel. Hast du das gesehen?“
Das Kind hat sich entspannt, und sein Gesicht hat begonnen zu leuchten. Es war, als wenn die Sonne in seinem Inneren aufgeht. Er hat sich aufgerichtet, ist locker und glücklich auf dem Pony gesessen, hat frei geatmet und strahlend in die Ferne geschaut — vorher hatte er immer nur sehr konzentriert zu Boden gesehen. Es war, als hätte er die schöne Welt um sich herum gerade zum allerersten Mal wahrgenommen.
Die restliche Stunde ist er ganz entspannt neben mir hergegangen und hat mir geholfen, das Pferd zu führen. Das war ein ganz kurzer Moment in meiner Laufbahn, der mich zutiefst berührt hat und bei dem ich einfach gewusst habe, warum ich Reitpädagogik mache.
